Wie macht man Zirkus?

Seit der Premiere am 4. August haben wir die Vorführung in der Manege nie mehr komplett bestaunen können, denn Zirkus-machen geschieht nicht im Chapiteau alleine. Mit der ersten Aufführung von „Dreambox“ wird der Tourneeplan des Circus Monti zum Metronom unseres Alltags. An der Zirkusmusik erkennen wir, wann unsere Schichten starten, Pausen enden und der Feierabend beginnt. Je nach Wochentag kann ein normaler Arbeitstag im Zirkus bis zu dreizehn Arbeitsstunden (Pausen sind dabei nicht miteingerechnet) umfassen, von Notfällen und Reisetagen mal abgesehen. Aber was muss denn alles gemacht sein, damit Zirkus geschieht? Ein Zirkusarbeitstag beginnt jeweils um 7:30 oder 8:00 Uhr in der Früh mit dem jeweiligen Job, auf den man sich beworben hat: Werbung, Küche, Büro, Werkstatt oder Kostümpflege und endet mit einem Einsatz im Zelt bzw. dem Buffet mit Glaceverkauf, Bareinsatz oder Zuckerwatte drehen. 







Für Janina bedeutet dies, sie steht jeweils um 07.15 Uhr auf, macht sich im Wohnwagen parat, spaziert über den halben Platz zum Toilettenwagen und zurück zum Küchenwagen für’s Frühstück. Kurz vor 08.00 Uhr der Abschiedskuss, damit die Arbeit auf dem Zirkusplatz oder in der nächsten Stadt für das Werbeteam beginnen kann. Morgens wird das Nähatelier aufgeschlossen und ein Blick auf die To-do-Liste geworfen: Ein Autositz muss noch abgeändert werden, da fehlen aber die genauen Angaben. Eine zweite silberne Haarschleife für die Luftreifartistin sollte noch her, aber das eilt nicht. Ach ja, der Mantel der Hauptfigur ist innen gerissen, der muss unbedingt zuerst geflickt werden. Dieses Projekt wird sogleich in Angriff genommen. Wie immer fehlt dazu aber der richtige Stoff, der richtige Knopf oder der richtige Faden, deshalb wird gegoogelt, wo sich das nächste Stoffgeschäft befindet und entsprechend eingekauft. 

Kurz vor Mittag trifft noch eine Vorhangänderung ein, die auch sofort erledigt werden muss, denn sonst blinzelt Licht aus dem Backstage durch den Vorhang den Zuschauern direkt ins Gesicht. Der Vorhang muss auf den Nachmittag vertagt werden; irgendwo zwischen der auf zwei Uhr angesetzten Führung mit einer Schulklasse und dem Zelteinlass (Platzanweisung für die Zuschauer) mit anschliessendem Souvenirverkauf in der Pause.

Benj beginnt entweder um 8:00 Uhr oder je nach Stadt, welche mit Montiplakaten versorgt werden muss, auch mal um 7:30 Uhr mit der Arbeit. Im Werbeteam sind fix fünf Personen engagiert, die mit zwei bis drei Autos durch die halbe Schweiz rasen, beziehungsweise fahren. All abendlich werden die Teams, pro Autos müssen mindestens zwei Personen Platz finden, per Würfelwurf ausgelost. Man sitzt somit jeden Tag mit anderen Personen im Auto und lernt dadurch von jedem die Eigenheiten (sarkastische, witzige Quasselstrippe), Vorlieben (Cordon Bleu und Schlagermusik), Fähigkeiten (komödiantisches Talent, offenes Ohr) und Charakterzüge (pflichtbewusst, lustig, vorwitzig) kennen. Da das Werbeteam immer eine Stadt im Voraus am Plakatieren und Transparieren ist, momentan sind sie in Aarau unterwegs, wohnen aber in Basel, geht eine relativ grosse Zeit für‘s Fahren und im Stau stehen drauf. In der Stadt angekommen, sattelt man die grosse Montitasche, läuft ausgerüstet mit Klebeband, Tackern, Reisnägeln und viel Werbematerial los und klappert jedes Geschäft ab, um möglicherweise ein Montiplakat aufhängen zu dürfen. Glücklicherweise sind sehr viele Geschäft- und Restaurantbesitzer bereit, ein angepriesenes Plakat anzubringen, was wir mit einem Freibillet und einem 50%-Bilettgutschein verdanken. 


Nach getaner Arbeit schliesst man sich der Blechlawine an und tuckert zurück zu seinem zu Hause, dem Zirkusplatz. Dort wird kurz und knackig, innerhalb einer Stunde, Sport getrieben, geduscht und zu Abend gegessen. Danach begibt sich Benj ins Buffetzelt, wo er mit einer weiteren Person an der Bar Wein ausschenkt und Drinks mixt. Am Wochenende kommen zum Bardienst der Einlass vor der Vorstellung und Grillieren dazu.   

Mit dem Putzen der letzten Zuckerwattenreste und dem Auffüllen der sauberen Gläser an der Bar, endet unser Tag im Buffetzelt mit einem Schlummertrunk oder einer kalten Schlummerbratwurst zusammen mit den anderen Mitarbeitern und den Artisten. 


Das ist Zirkus machen.

Kommentare

  1. Cooli Bilder und spannende Iiblick is Zirkusläbe.
    D Uffüehrig vom MONTI isch würklich sehr z empfähle.
    Liebi Grüess
    MARU

    AntwortenLöschen
  2. Merci viil mal für die schöni u spannendi erzählig u die hammer beilder!!! Ganz ganz liebi grüess u e spannendi ziit, Chlausi :-*

    AntwortenLöschen

Kommentar posten