Diversität und Grössenwahn auf der kleinen malayischen Halbinsel (29.7.16)

Dank unseres Töffliunfalls dürfen wir viel eher als zu träumen gewagt nach Malaysia zurückkehren und tief eintauchen in die Vielfalt an Menschen, Gerichten und Kulturen. 

Die Hauptstadt mit ihren Zwillingstürmen, den Petronas Twin Towers, dem imensen Fernsehturm mit Diskolichtern und den die Stadt überragenden Swimmingpools ist architektonisch schon beeindruckend, aber die Retortenstadt Purtrajaya 30 Minuten von KL entfernt, zeigt erst den Grössenwahn des kleinen Malaysias. Putrajaya ist ähnlich der Hauptstadt Burmas, Nay Pyi Taw, ein Projekt der korrupten Regierung, die seit den 90er Jahren eine Beamtenstadt mit künstlichem See, Sumpf, Vergnügungspark, ganzen Wohnsiedlungen, überdimensionalen Moscheen und zu grossen Strassen aus dem Boden stampft. Würden hier tatsächlich Menschen leben, es sind im Moment nur etwa 90'000, könnte sich vielleicht eine moderne Stadt (nach westlichem Vorbild?) entwickeln, aber so menschenleer vermutetet man eher Geister hinter jeder Ecke oder eine kürzlich ausgebrochene Seuche, die alles lebendige wegfegte - aus dem Blickwinkel des Betrachters in jedem Fall eher ungemütlich. 






So divers Malaysia sich gibt, so vielfälltig sind auch seine Touristen: Araber (keine Ahnung woher die genau kommen; manche tragen die kurzesten Röcke und dazu aufgespritze Lippen und andere versuchen auch noch die Augen mit einer Sonnenbrille zu verdecken, damit man keinen Flecken Mensch sieht), Weissen, Chinesen, Singapurer und andere Asiaten. Aber Achtung, nicht alle sind überall: In Putrajaya sind die "Araber" übervertreten, in Penang die Holländer, dafür hat's plötzlich unheimlich viele Franzosen in Melaka. Schweizer hat's wiedermal nirgends und wenn, dann geben sie sich einander ja nicht zu erkennen. 





Melaka ist besonders stolz auf seine Migrationsgeschichte und zelebriert die ethnische Vielfalt in Essen, Kunst und Museen (irgendwie gibt's hier unheimlich viele davon). Besonders toll finden wir den italienischen Kaffee, die thailändische Tom Yam Suppe, den amerikanischen Cocktail, Sushi, das schweizer Müesli, das chinesische Mooncake und das indische Tandoori Chicken mit Garlic Naan. Was ist daran eigentlich malayisch? Vermutlich die Mischung. 
Ab all der Diversität ist manchmal auch dem aufmerksamen Touristen nicht klar, wie er sich jetzt kleiden oder verhalten soll, denn die Vollverschleierte läuft Hand in Hand mit ihrer hotpantstragenden Freundin durch die Strassen und keine Auffälligkeit (auch blaue Haare nicht) scheint ein Blick wert zu sein. 




Eines bleibt jedoch klar, ein Muslim kann nicht sein, wer nicht weiss, was man auf "Salam aleikum" (Friede mit euch) antwortet (dank Google weiss ich es jetzt: "wa aleikum as-Salam" (Friede auch mit euch)). Auch dann nicht, wenn diejenige behauptet, sie komme aus Bosnien und praktiziere leider nicht, würde sich jetzt aber gerne als gebürtige Muslima den Gebetsraum anschauen. Next time.

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