Australiens blutige Anfänge und das traurige Erbe (5.2.14 - 14.2.14)

Wir fuhren auf der weltbekannten Great Ocean Road von Adelaide nach Melbourne und legten jeweils Surf- und Wanderstops in Robe, Port Fairy, Warrnambool, Apollo Bay und Torquay ein. Zwischen den sportlichen Aktivitäten erlebten wir immer wieder ein Stück Geschichte und unser Bild von Australien erhielt Schattierungen, wovon einige zu grossen dunklen Schatten heranwuchsen.





In Warrnambool, einer kleinen Küstenstadt an der Shipwreck Coast in South Australia, besuchen wir ein Freilichtmuseum zur Zeit der Besiedlung Australiens durch die Europäer. Der Küstenstreifen im Südosten Australiens trägt seinen Namen nicht um sonst; wer es einmal bis hierher geschafft hat, betritt nicht so schnell wieder ein Schiff. Heute bietet die Schiffbruchsküste wunderschöne Ausblicke über steile Klippen und die krachende Brandung, doch damals bedeutete sie oft das tragische Ende einer langen Reise von Europa via Afrika und Antarktis nach Australien. Einmal heil angekommen, versuchten die Siedler und verschleppten Gefangenen sich ein Leben wie in der alten Welt aufzubauen. Sie brandten Buschland nieder, um Getreide anzubauen, rodeten die Wälder und schürften Gold. Dies bedeutete für die ursprünglichen Bewohner und die Natur grosse Veränderungen: Innerhalb von gut 200 Jahren wuchs die Bevölkerung um 22 Millionen, wurde ein riesiges Strassennetz errichtet, Millionenstädte aus dem Boden gestampft und alte Werte mit Füssen getreten. Die hinterbliebenen Narben werden geschminkt oder bestmöglich verdeckt und lassen sich erst auf den zweiten Blick erkennen.
In Australien gibt es kaum Menschen, die auf der Strasse leben und sieht man doch welche, sind es Aboriginies. Heute machen sie (nur) 4% der Gesamtbevölkerung aus, dafür 20% der Gefängnisinsassen. Als 1788 die ersten Europäer angeschifft kamen, lebten ca. 600 Stämme auf der grossen Insel und die ca. 800'000 Aborigines waren die alleinigen Bewohner. Dann wurden sie vertrieben, getötet, verschleppt, missioniert - ihnen wurden die Lebensgrundlagen entzogen, bis es 1920 nur noch deren 60'000 gab. Innerhalb einiger Generationen hat sich das Leben der Ureinwohner dramatisch verändert: 3/4 wohnen in Städten, 20% sind arbeitslos, die Kindersterblichkeit ist doppelt so hoch wie der Durchschnitt und gefühlte 90% der australischen Künstler sind Aboriginies. 

In Melbourne erleben wir während dem Indigenous Arts Festival Teile dieses Erbes, indem wir eine Kunstaustellung und ein Gratiskonzert Bart Willoughbys, dem ersten indigenen Musiker, der ohne festen Wohnsitz einen Plattenvertrag erhielt, besuchen. Die Themen der Gemälde und Musikstücke sind durch die Geschichte vorgegeben: Unterdrückung, Identitätsverlust, Trauer, Wut, Überlebenswille und Kampfgeist. So beginnt Bart Willoughbys Konzert an der Grand Organ in der Town Hall mit der Aussage "We are the aboriginal people of this country, we've lived here for 60'000 years," und der Anklage des weissen Mannes. Trotz manch so schwerem Inhalt geniessen wir die Blüten der Strassen-, Architektur- und Bildkunst. 

Australien ist seit zweihundert Jahren ein Land der Migration und Melbourne eine der Vorzeigestädte: Jeder läuft rum wie es ihm gefällt, es gibt das beste Essen aus aller Welt, die Kunstszene lässt sich sehen und es gibt ein Immigrationsmuseum mit Austellungen zu islamischer Mode. Wie würde eine solche Stadt wohl ohne Immigration aussehen oder sagen wir einer Limitation auf 18'000 Immigranten pro Jahr?







Kommentare

  1. Hej ihr zwei Lieben
    Die Bilder sind auch diesmal wieder so eindrücklich und geben uns "Nicht-Weltreisenden" extrem schöne Einblicke in euer derzeitiges Leben!!
    Und die Berichte sind vollgespickt mit spannenden Informationen. DANKE!!
    Wir im Berner Oberland warten noch immer auf den Winter; heute Samstag war es 15 Grad warm...und das im Februar!!
    Seid herzlich gegrüsst!!!!
    MaRu

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  2. ...P.S: Benj, ist das dein neues Bewerbungsfoto????
    MaRu

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