Kolonialstadt mit Tücken (18.11.13 - 21.11.13)

Von Hampi fuhren wir mit einem Nachtzug 10 Stunden Richtung Bangalore, um nach einem ganztägigen Aufenthalt in dieser nicht besuchenswerten Stadt, am selben Tag noch einmal einen Nachtzug zu besteigen, der schlussendlich nach 12 Stunden Fahrt in Kochi ankam.

Zugfahrt nach Bangalore
Fort Kochi besteht aus vielen Kolonialbauten, wovon leider eine Menge dem Zerfall erliegen, jene die restauriert und herausgeputzt sind, strahlen dafür umso schöner. In Kochi haben die Portugiesen, die Holländer und die Briten ihre Spuren hinterlassen, was sich in den ebengenannten Gebäuden wiederspiegelt. Per Fahrrad kurven wir durch die unzähligen Strassen und Seitengassen, schauen uns die chinesischen Fischernetze, den Dutch Palace und die Dhobis (hier werden in Indien die Kleider von einer separaten Jati, einer eigenen Arbeiterklasse, von Hand gewaschen und gebügelt) an, geniessen ein Abendessen am Pier und landen unter anderem am kleinen, total zugemüllten Sandstrand. Der Strand und die stinkende, schwarze Wassermasse, die davor schwappt sind über und über mit Plastikteilen und Styropor bedeckt. Das Unglaubliche, die Inder selber scheint dies nicht gross zu stören, nehmen sie doch am Morgen in dieser Brühe einen Frühstücksschwumm. Für dieses Spektakel hat Janina sogar ihre Joggingrunde unterbrochen und fassungslos zugeschaut, wie sich die Plantschenden zwischen dem Müll ihren Weg bahnen.

Kleiner Exkurs: Obwohl wir uns an sehr vieles hier gewöhnt haben, werden wir uns bis ans Ende unserer Indienreise nicht an die Unmengen an Müll, welche überall herumliegen, gewöhnen können. Den Mülleimer gibt es in Indien nicht. So wird der gesammte Abfall, welcher z.B. während einer Zugreise anfällt, einfach aus dem Fenster geworfen (ist praktisch, da die meisten Züge keine Scheiben haben). Wird auf dem Perron etwas konsumiert, landet der Abfall auf den Gleisen, vom Auto aus landet er auf der Strasse und bei den Resorts am Strand wird alles auf einen Haufen gekehrt und morgens in aller Früh, unter beissend schwarzem Plastikgeruch, am Strand angezündet und verbrannt. Bis jetzt sammeln wir trotzdem noch jedes Abfallstücken von uns und entsorgen es im Hotelzimmer, mit dem Wissen, dass auch dieser Müll auf offener Strasse angezündet wird.

Da Kochi schon seit frühster Geschichte für den Gewürzhandel bekannt ist, gibt es eine grosse Auswahl an Gewürzsouvenirs und Krimskrams. Nach einer wenig ergiebigen Shoppingtour, wollen wir zwei Packete in die Schweiz schicken, was sich sehr schnell als zeitintensives Unterfangen herausstellt, da in Indien vor einem Monat das Packetwesen wegen eines terroristischen Aktes geändert wurde. Neu dürfen keine Esswaren, metalischen Gegenstände, Flüssigkeiten und elektronischen Geräte mehr mit der staatlichen Post verschickt werden.

Wenn man nun ein Packet verschicken will, muss man folgendes machen:
Mit den zu verschickenden Gegenständen geht man zu einem Schneider (Schneider, what the f**k?!), um gemeinsam mit ihm zur Post zu gehen. Dort werden die Gegestände der netten Dame am Schalter gezeigt, welche dann entscheidet, ob man die Sachen verschicken darf oder nicht. Wenn ja, kriegt man ein Dokument ausgehändigt, welches man dem Hotelmanager (!) zum unterzeichnen und abstempeln bringt. In der Zwischenzeit ist das tapfere Schneiderlein in sein Atelier zurückgekehrt, packt die Gegenstände in einen Plastiksack ein und klebt diesen zu. Das gesammte Bündel wird dann in ein Stück Stoff ein- und von Hand zugenäht. Zum krönenden Abschluss wird die Naht mit Kerzenwachs versiegelt. Mit diesem Kunstwerk, dem Zettel des Hotelmanagers und ein wenig Frust kehrt man zur Post zurück. Dort gib man alles ab und füllt zu guter letzt noch ein seitenlanges Formular aus, bevor das Packet gewogen, bezahlt und abgeschickt wird, um hoffentlich irgendeinmal in der Schweiz zu landen...

Kochi








Kommentare

  1. geili outowärchstat ;-)
    gruss klausi

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  2. Huss, diese Zugfahrt...Und ich fand es im Sechserabteil mit vier Personen im Zug nach Berlin schon eng:-)

    Danke für den Bericht und die Fotos.

    Ganz liebe Grüsse
    MaRu

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  3. Geschäftlich :-)
    Ich habe euch grad eine Mail geschrieben (Freitag,29.12. um 11 Uhr) und habe eine Fehlermeldung erhalten. Schreibt ihr mir kurz, falls ihr diese Mail nicht erhalten habt. Und die von Heinz vom 21.12. mit dem Schnee von Bern?
    Eventuell will mein PC nicht an gmail verschicken?!?
    Liebe Grüsse
    MaRu

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  4. deine mail habe ich nicht erhalten,die von papa schon.hast du unsere von heute erhalten?

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