Es ist nicht immer alles rosig, aber rica

Seit nun knapp fünf Wochen befinden wir uns in Costa Rica, einem Land, welches dem spanischen Wort «rica», das mit fruchtbar, prächtig, reizend und reich übersetzt werden kann, alle Ehre macht. An einigen Orten ist es tatsächlich äusserst reizend, die Vegetation fruchtbar und die Natur prächtig. An anderen Orten hingegen schrammt man an tristen, heruntergekommenen und gefährlichen Vierteln vorbei. Auf das ganze Land bezogen passt unserer Meinung nach der Begriff «rica», im Sinne von reich, am besten. Weil reich muss man sein, wenn man hier Ferien verbringen will. Es ist unglaublich teuer, seinen Urlaub hier zu verbringen und deswegen kochen wir, da wir schon so lange reisen dürfen, etwa 90% unserer Mahlzeiten selbst. Klar, zwei Wochen Ferien als Schweizer*in kann man sich hier definitiv leisten, aber wenn man schon über ein halbes Jahr unterwegs ist, schaut dies etwas anders aus.

Die Bilder des wunderschönen Santa Teresa und des Surforts Jacó sprechen für sich und zeigen die unvergesslichen Momente einer solchen Reise auf. Da diese für sich sprechen, sprechen wir für einmal über etwas anderes. Und zwar über die nicht so rosigen Seiten des Reisens. Vom wiederkehrenden Heimweh nach Familien und Freund*innen, nach Bern, der Sicherheit in der Schweiz, dem frühlingshaften Wetter, nach einem Nussgipfel, einem guten Stück Brot oder einem Brocken Greyerzer wollen wir gar nicht erst anfangen.

Wir beide waren in diesen knapp fünf Wochen mehrere Male tagelang krank, hatten aus Versehen mit Epsom-Salz (Bittersalz) gekocht, welches wir aufgrund der potenziell tödlichen Eigenschaft ebendieses mit induziertem Erbrechen aus unseren Körpern befördern mussten, und wir wurden am helllichten Tag Opfer eines bewaffneten Raubüberfalls. Keine Angst, wir sind, bis auf Benjs abklingende zweite Magen-Darm-Grippe, unversehrt geblieben. Gemeinsam haben wir während unserer Ferien und der drei Weltreisen bisher etwa 50 Länder dieser Welt erkundet. Obwohl wir uns der Gefahren auf jeder Reise bewusst waren, wurde uns nie etwas gestohlen, nie hatten wir einen Einbruch zu beklagen und das Gepäck ging auch nie verloren. Mit dem Überfall in Puntarenas ist nun leider ein Stück Leichtigkeit verloren gegangen, da es uns aufzeigte, dass dies in einem solchen Land halt einfach passieren kann. Selbsterklärend hat dieser Mann aus einer grossen Not und Armut heraus gehandelt, denn rica, also reich, sind hier nicht viele und die sozialen Unterschiede sind immens. Die Tatsache, dass man sich hier als Schweizer*in gerade so Ferien leisten kann, lässt erahnen, dass für Millionen Einwohner*innen dieses Landes die finanzielle Bewältigung des Alltags eine riesengrosse Herausforderung darstellt. Der Unbekannte und wir befinden uns an den gegenüberliegenden Enden der viel zitierten Armutsschere.

Wie gehen wir nun mit dem Wissen um, dass anscheinend egal zu welcher Uhrzeit und egal ob eine Gegend als sicher gilt oder nicht, so etwas geschehen kann? Nun, wir werden noch etwas vorsichtiger die Strassen entlanglaufen, in Santiago de Chile eine Bleibe in geografischer Nähe zur Schule und dementsprechend in einem eher teureren Viertel suchen, gesunden Menschenverstand walten lassen und uns wie gewohnt an die Tipps von Einheimischen halten. Und dann darauf hoffen, dass wenn so etwas nochmals passieren sollte, es erst im hundertsten von uns bereisten Land so weit sein wird. Wir sind auf alle Fälle vorfreudig gespannt, was uns ab Ende März in Chile erwartet.










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