Von Monti zu Mao

Gregi mit VW-Bus sei Dank können wir uns am Ende der Arbeitszeit im Circus Monti und nach erfolgreicher Abgabe unseres Wohnwagens Nummer achtzehn auf den Weg zurück in die Hauptstadt machen. Endlich. Den Zirkusrhythmus noch im Blut begeben wir uns auf eine Abschiedstournee in unserem Heimkanton. Um viele Erfahrungen reicher, mit Augenringen langen Nächte wegen und müden Gliedern vom Putzen kehren wir zurück, nicht um uns zu erholen, sondern um unsere Gesichter noch mehr zeichnen zu lassen. Ein wunderbarer Abend hier, ein Glas Wein da und immer wieder ein Tschüss und eine Träne. 

Müde begeben wir uns nach einer Woche Abschiednehmen auf die Reise nach Peking – alles klappt wie am Schnürchen, ohne Verspätungen oder Zwischenfälle. Fast zu schnell erreichen wir das Land der aufgehenden Sonne und erwachen im Happy Dragon Hostel, gefühlt ohne unser Zutun. Wie im Reiseführer beschrieben ist der Himmel strahlend blau, die Luft glasklar und der Wind eisig kalt. Die Chinesen sprechen kein Englisch, sind dafür umso bemühter mit uns via Übersetzungsapps zu kommunizieren. Die Speisekarten geben alles her, was man an einem Tier ausweiden kann und an gemütlichen, in übertriebene Weihnachtsdeko gehüllte Cafés mit ebensolcher Musik fehlt es auch nicht. Allen Annehmlichkeiten zum Trotz sind wir nicht ganz angekommen auf unserer Reise. Wieder verantwortlich für unser eigenes Glück, ohne zu verschmähenden Chef und strikten Tagesablauf, die man beklagen kann, sollten wir uns ab der Schönheit Pekings erfreuen. Die untergehende Sonne über der verbotenen Stadt, die Schweinefüsse, die zum Trocknen über den Fahrrädern aufgehängt werden, Maos Fahnen, die auf dem Tiananmen Platz in Reih und Glied wehen und die chinesischen Laternen bei Nacht sind Zeugen dieser Schönheit. Unsere Augen erblicken diese Objekte, aber unser Herz kann dazu noch nicht tanzen. Wir suchen nach Erklärungen: Der Tag-Nacht-Rhythmus ist noch durcheinander, uns fehlte im Vorfeld die Vorbereitungszeit oder der Wechsel von Monti zu Mao ist zu krass. 








Die Zeit wird zeigen, ob unsere Erklärungen greifen oder ob wir an unseren Reiseplänen noch feilen müssen. Eines steht fest, unser Körper ist in China und findet sich wunderbar zurecht; unser Geist jedoch hängt irgendwo zwischen Monti, Abschiedstränen und einem Terminal fest. 

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